Qualität im Zeichen der Work-Life-Balance

Qualität ist ein grosser Begriff. Darunter versteht jeder etwas anderes. Der kleinste Nenner in all diesen Bedeutungen ist wohl die Erfüllung der Kundenerwartung. Geschäftsführer erzählen aber gerade nach den Erfahrungen der Pandemie davon, dass das Gegenüber bei ihren Mitarbeitern aus deren Blickfeld geraten ist.

Die 1.5 Jahre Einschränkung auf das Homeoffice hat auch den Blickwinkel vieler Mitarbeiter enger werden lassen. Nun da sich die Arbeitsnormalität bei vielen wieder einpendelt, fällt es schwer die vormals gewohnten Abläufe wieder zu übernehmen. 1.5 Jahre Improvisation und Konzentration auf Notwendigkeiten haben viele vorher normale Arbeitsprozesse vergessen lassen.

Anpassung nach der Pandemie

Verstehen Sie mich nicht falsch, jede Firma tut gut daran, ihre Abläufe von Zeit zu Zeit zu hinterfragen. Die Zeit nach der Pandemie bietet dazu sicher eine hervorragende Gelegenheit, allerdings wird sich so mancher Homeoffice-Rückkehrer wieder darauf einstellen müssen sich an alte «Einschränkungen» zu gewöhnen. Dabei vermissen viele Geschäftsführer und Träger der Kriseninfrastruktur, also all jene deren Arbeitstage normal verliefen, die nicht von Homeoffice und geschütztem Raum profitieren konnten, etwas Demut.

Die Enge im Homeoffice führt zur Besinnung auf sich selbst

Natürlich ist mit der Konzentration auf den engen Raum Homeoffice die eigene Person in den Fokus gerückt. Das Leben musste neu organisiert werden und die Beziehungsnetzwerke der Arbeit schrumpften auf eine kleinen, meist digitalen Raum zusammen. Das war auch für die Mitarbeiter im Homeoffice eine Herausforderung. Viele hatten und haben mit der Umstellung zu kämpfen.

Work-Life-Balance kontra Firmenstruktur?

Aber ein Grossteil hat eben auch ihre eigene Work-Life-Balance entdeckt und sich an ein grosses Mass von Flexibilität gewöhnt. Nun da es wieder zurück in die Alltagsroutine geht, vergessen sie den Blick auf diejenigen zu wenden die die Krise und deren Infrastruktur getragen haben. Jede Firma hat dabei auf Menschen abgestützt die vor Ort waren. Jene Menschen die die Post vor Ort abwickelten, dafür sorgten, dass die Homeoffice-Mitarbeiter koordiniert wurden oder eben auch jene die die ganz alltägliche Infrastruktur aufrechterhielten.

Nun da immer lautere Forderungen nach Homeoffice-Tagen und Beibehaltung von Privilegien gestellt werden, fällt es vielen Firmen schwer den Weg aus dem Krisenmodus zu finden. Nur weil in der Pandemie z.B. das 4-Augen-Prinzig nicht gelebt werden konnte, heisst das nicht, dass dieses seine Berechtigung verloren hat. Zurück aus der Krise bedeutet eben auch, zurück in gewisse Strukturen und Vorgaben.

Was hat das nun alles mit Qualität zu tun?

Die Tage der Reduktion auf Notwendigkeiten sind vorbei. Das bedeutet das der Blick wieder auf das Gegenüber gerichtet werden muss. Es bedeutet den Kundenwunsch zu erfüllen und vormals gelebte Qualitätsstandards wieder aufzunehmen.Qualitaet

Natürlich soll dabei der Mitarbeiter auch seine Bedürfnisse zum Thema machen und sich einbringen aber der Einfluss der Mitmenschen kehrt zurück. Qualität lässt sich nur erreichen, wenn die Mitarbeiter an einem Strang ziehen, wenn das gemeinsame Zeil wieder in den Fokus rückt.

Das bedeutet aber auch, dass die eigene Flexibilität und Freiheitsliebe darunter leiden wird.

Sowohl die Firma als auch die Mitarbeiter tun gut daran, jetzt die Krisen-Erfahrung aufzuarbeiten. Ansprüche und Abläufe zu hinterfragen und neue Wege zu finden alles neu zu koordinieren. Denn auch Chefs können nicht ohne Anpassungen zurück zur « Normalität». Auch sie haben während der Krise auf die Flexibilität der Mitarbeiter gebaut und auch dies verdient Wertschätzung.

Aufarbeiten der Krise als Aufgabe für die ganze Gesellschaft

Tun Sie sich und Ihrem Umfeld einen Gefallen und öffnen Sie den Blick wieder für den normalen Alltag. Seien Sie dankbar für den geschützten Raum, den Sie während der Pandemie hatten und denken Sie an jene die grosse Verluste und Einschränkungen erfahren haben. Nun heisst es aufeinander zuzugehen und eigene Forderung zu hinterfragen. Vielleicht bedeutet das ja auch, sich an einem anderen Ort seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Ich wünsche uns allen einen guten Weg zurück in die Gemeinschaft und einen offenen Blick für unser Gegenüber.

Sarah Müller