Mobbing / Bossing im Unternehmen

Das Wort Mobbing ist in aller Munde. Fast jedes Unternehmen wird früher oder später mit dem Thema konfrontiert. Für den richtigen Umgang mit solchen Vorwürfen empfiehlt sich eine gewisse Vorarbeit zu leisten.

Mobbing / Bossing oder (Team)Konflikt

Mobbing ist ein sehr eng gefasster Begriff. Per Definition handelt es sich dann um Mobbing, wenn eine Person in feindlicher Absicht, systematisch und über einen längeren Zeitraum hinaus Angriffen ausgesetzt ist. Von Bossing wird dann gesprochen, wenn der Mitarbeiter vom Vorgesetzten schikaniert wird. Laut der SECO-Studie „Mobbing und andere psychosoziale Spannungen am Arbeitsplatz- 2002“ sind mehr als die Hälfte der Mobber Vorgesetzte. In Zahlen: Bossing 51%, Mobbing durch Kollegen 16% und Mobbing durch Untergebene (Staffing) 13%.

Ein Konflikt steht immer mit einer Konfliktsache in Verbindung, bei Mobbing steht die Person als solches im Vordergrund. Womit und mit welchen Argumenten dabei schikaniert wird, ist hier egal, Ziel ist, die Person aus dem Unternehmen zu vertreiben. Mit dieser Definition ist im Grunde klar, dass es bei Mobbing nicht um eine einzelne Auseinandersetzung geht, oder um einen einmaligen Witz oder Angriff. Dennoch sind viele Mitarbeiter mit dem Begriff Mobbing schnell bei der Hand.

Zu beachten ist dabei auch, dass das Mobbing zwar meist von einer Person ausgeht, das Team aber immer mitbetroffen ist. Oft ist ein Teamkonflikt ausschlaggebend um ein Team zu spalten, wird dieser Konflikt nicht bearbeitet bilden sich Parteien. Daraus entsteht ein Klima in dem Mobbing sehr gut gedeihen kann. Alle Teammitglieder übernehmen dabei eine Rolle, sei es, dass sie schweigen oder den Konflikt aktiv mittragen und immer wieder entfachen.

Gründe für Mobbing / Bossing

Die grösste Treibfeder von Mobbern ist ihre eigene Angst und Unsicherheit. Dies gilt genauso für den Arbeitskollegen wie für den Vorgesetzten. Diese Menschen haben nicht gelernt anders mit ihren Ängsten umzugehen und wissen sich nur zu helfen, indem sie sich über andere erheben.

Dabei sind Krisen, Angst um den Arbeitsplatz oder ein Gefühl der Unterlegenheit bei Kollegen meist ausschlaggebend für Angriffe. Bei Vorgesetzten stehen neben Krisen auch fehlende Fachkompetenz, Angst vor Gesichtsverlust oder fehlende Führungskompetenz im Vordergrund.

Die Angriffe werden in fünf Felder unterschieden:

Angriff auf die Möglichkeit sich mitzuteilen.

  • Der Mitarbeiter wird ständig von Kollegen unterbrochen.
  • Der Mitarbeiter wird vom Vorgesetzten in der Sitzung systematisch übergangen.

Angriff auf die sozialen Beziehungen.

  • Der Mitarbeiter wird wie Luft behandelt.
  • Der Vorgesetzte versetzt den Mitarbeiter weg vom Team, um ihn von Informationen abzuschneiden.

Angriff auf das soziale Ansehen.

  • Hinter dem Rücken des Mitarbeiters werden Gerüchte gestreut, er wird lächerlich gemacht.
  • Der Vorgesetzte stellt den Mitarbeiter vor den Kollegen bloss.

Angriff auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation.

  • Kollegen korrigieren ungefragt die Arbeit des Mitarbeiters, schieben ungeliebte Arbeit ab.
  • Der Mitarbeiter erhält vom Vorgesetzten unsinnige oder überfordernde Aufgaben.

Angriff auf die Gesundheit.

  • Kollegen Verursachen Kosten zu Lasten des Mitarbeiters (Kaffee über die Tastatur).
  • Der Vorgesetzte verweigert notwendige Infrastruktur.

Die vier Phasen von Mobbing oder Bossing, so erkennen Sie sie in Ihrem Unternehmen:

Mobbing wird in 4 Phasen unterteilt:

Phase 1: Konflikt.

Jedem Mobbing liegt immer ein Konflikt zu Grunde, ohne Anlass wird nicht gemobbt.

Phase 2: Gemobbter Mitarbeiter verändert sich, zieht sich zurück.

Das Augenmerk liegt auf dem Verhalten der Mitarbeiter. Stellen Sie beispielsweise fest, dass ein Mitarbeiter plötzlich alleine in die Pause geht, er sich in Sitzungen nicht mehr meldet oder an Anlässen fehlt, sollten Sie aufmerksam werden. Generell werden Sie Veränderungen schneller feststellen, wenn Sie sich für Ihre Mitarbeitenden Zeit nehmen. Haben Sie ein offenes Ohr für die Anliegen, seien sich sichtbar im Betrieb, so stellen Sie sicher, dass Ihnen Unstimmigkeiten und Veränderungen schnell auffallen oder Ihnen gemeldet werden. Können Sie diese Aufgabe nicht selber wahrnehmen, benennen Sie Anlaufstellen im Unternehmen, nehmen Sie die Führungskräfte in die Verantwortung. Gehen Sie nicht davon aus, dass Mobbingopfer sich bei Ihnen melden, diese Menschen sind verunsichert und erleben, dass sich auch ihr kollegiales Umfeld von Ihnen abwendet.

Daher werden Sie kaum vom Mobbingopfer selbst informiert. Werden Sie dennoch mit entsprechenden Vorwürfen konfrontiert, nehmen Sie diese ernst. Fordern Sie den Mitarbeiter auf, konkrete Beispiele zu dokumentieren, lassen Sie ihn ein Tagebuch führen und besprechen Sie entsprechende Vorfälle zeitnah mit dem betroffenen Team.

Je klarer Ihre Firmenpolitik zum Thema Mobbing ist (zum Beispiel im Betriebsreglement), umso einfacher können Sie Konsequenzen ziehen.

Achten Sie bei Vorgesetzten darauf, dass Sie Grenzen setzen, Sie zum Beispiel Witze auf Kosten von Mitarbeitern unterbinden. Wenn Sie neue Vorgesetzte einstellen, achten Sie auf das Verhalten des Teams. Ein Beurteilungskriterium der Leistung eines Vorgesetzten sollte auch immer das Teamverhalten sein.

Phase 3: Mitarbeiter fällt auf.

In dieser Phase ist schon vieles passiert. Der Mitarbeiter leidet seit längerer Zeit unter den Angriffen, die Fronten haben sich verhärtet und der Mitarbeiter fällt auf. Sei dies, weil er viele Ausfallstunden hat, unzuverlässig ist, Termine nicht wahrnimmt oder schlicht Fehler macht.

In dieser Phase steht das Unternehmen vor der Handlungsentscheidung. Als involvierter Chef wird es Ihnen schwerfallen die hier installierten Strukturen alleine aufzubrechen. Sie sind zu sehr in den Abhängigkeiten und im Alltag drin, als dass Ihnen eine Aufarbeitung die allen Seiten gerecht wird, gelingen kann. Wir empfehlen Ihnen hier eine geschulte Person als Moderator zu involvieren. Mögliche weitere Handlungsfelder sind hier, Teamschulung, Coaching für Mobber und Mobbingopfer, Schulung der Führungspersonen oder ein Workshop für die ganze Firma.

Phase 4: Verlust des Mitarbeiters.

In dieser Phase haben Sie den Mitarbeiter verloren. Es gilt nun in die Zukunft zu schauen, wie verhindern Sie, dass ein weiterer Mobbingfall in Ihrem Unternehmen geschieht?

Arbeiten Sie die Vorfälle mit den internen Stellen auf, denn nicht nur der Mobber selbst sondern auch das Umfeld sind vom Mobbing betroffen. Ziehen Sie Konsequenzen daraus, sei es, dass Sie intern Anlaufstellen installieren, externe Beratungsstellen beiziehen oder ein Führungsseminar durchführen.

Lassen Sie Ihre Abläufe und internen Strukturen von einem Organisationsexperten prüfen. Schalten Sie mit klaren Strukturen und Aufgabenteilungen Konfliktpotenzial direkt aus. Wenn Mitarbeitende wissen was ihre Aufgabe ist, sind Reibungspunkte von vornherein nicht gegeben.

Fördern Sie eine offene Gesprächskultur, seien Sie sichtbar im Unternehmen. Thematisieren Sie den Umgang mit Fehlern, arbeiten Sie an einer internen Fehlerkultur.

Passen Sie Ihr Unternehmensreglement an, stellen Sie klar, dass Sie Mobbing in Ihrem Unternehmen nicht dulden. Machen Sie transparent welche Konsequenzen Mobbing hat.

Unternehmer in der Verantwortung – Wie beugen Sie Mobbing vor?

Als Unternehmer verletzen Sie Ihre Führsorgepflicht, wenn Sie Mobbing tolerieren. Dies hat das Bundesgericht unmissverständlich festgehalten. Bei einer Verurteilung kann es zu Schadenersatzzahlungen kommen und vom Imageverlust durch ein solches Ereignis möchten wir gar nicht sprechen.

Festzuhalten gilt: Mobbing ist eine schwere Anschuldigung und Mobbing ist nur dann gegeben, wenn die Kriterien (feindlich, systematisch, längerer Zeitraum) erfüllt sind.

Als vorbeugende Massnahmen empfehlen wir Ihnen Transparenz gengenüber Ihren Mitarbeitenden. Zeigen Sie sich interessiert daran, was in Ihrem Unternehmen läuft. Zeigen Sie sich offen gegenüber Anliegen und fühlen Sie regelmässig den Puls Ihrer Mitarbeitenden. Stellen Sie klar, welche Haltung Sie gegenüber Mobbing haben und passen Sie Ihre Reaktionen auch entsprechend an. Schaffen Sie Klarheit über die Abläufe im Arbeitsprozess, verhindern Sie Missverständnisse so gut wie möglich und klären Sie Mitarbeiter über ihre Plichten und Kompetenzen auf.

Wir hoffen der Text regt Sie an, mit anderen Augen durch Ihr Unternehmen zu gehen und kleinen Vorkommnissen unter den Mitarbeitern eine andere oder neue Beachtung zu schenken. Denken Sie daran, wir von CoSaVie stehen Ihnen gerne zur Verfügung als Ihr Partner für Supervision, psychosoziale Beratung und Coaching im Aargau.