Der Faden des Lebens – Wie verändert man Muster?

Unsere Welt besteht aus Mustern. Alles was uns umgibt hängt zusammen. Wir lernen in Mustern und leben mit Mustern. Muster sind notwendig, denn wenn wir ohne diese Automatismen auskommen müssten, wären wir nicht lebensfähig.

Muster sind Lebensnotwendig

Stellen Sie sich nur vor, Sie müssten bei jedem Atemzug steuern, welche Muskeln, Nerven und Bewegungen Sie ausführen müssen. Sie würden den ganzen Tag nichts anderen tun, als mit allen Sinnen zu amen. Genauso sinnvoll wie im Körperlichen sind diese automatisch abgearbeiteten Muster in unseren Lebensgewohnheiten. Achten Sie darauf, werden Sie feststellen, wie viele es davon gibt.Richtig auffallen werden Ihnen die Muster erst dann, wenn Sie versuchen diese Muster aktiv zu unterbrechen oder sie gar zu verändern. Ein Test gefällig? Versuchen Sie die nächste Treppenstufe bewusst mit dem anderen Fuss zu erklimmen als es der Reflex ihnen vorgibt. Achtung: stolpern Sie bitte nicht.

Muster in der Beziehung

So sehr die Muster uns im Alltag helfen, so hinderlich können sie in unserem Zusammenleben sein. Denn wenn wir mit unserem Denk-, Verhaltes- oder Lebensmuster auf andere Muster treffen, hindert uns unser Muster daran, offen auf das Gegenüber einzugehen. Im besten Fall finden wir das Verhalten unseres Gegenübers merkwürdig, im schlimmsten Fall fühlen wir uns davon provoziert. Die Muster die uns helfen unsere komplexe Umwelt zu überleben, hindern uns im Zwischenmenschlichen immer wieder und schränken uns ein.

Die Familie als Musterbeispiel

Gerade in der Familie sind solche Muster häufig toxisch. Das hängt einerseits damit zusammen, dass es Menschen sind, die uns in unseren prägendsten Lebensjahren, der Kindheit, betreut haben und andererseits daran, dass wir in diesem Rollengefüge (Familienmuster) eingebunden sind. Je näher uns Menschen sind, umso besser kennen sie unsere Verhaltensmuster und umso einfacher gelingt es ihnen unsere Schwachpunkte zu nutzen. Ob sie dies wissentlich tun oder es einfach in ihren eigenen Mustern abgespeichert haben, ist dabei unerheblich.

Gerade in der Familie laufen diese Muster über Jahre und Jahrzehnte ungehindert ab. Viele Familien fühlen sich nicht wohl in diesem Gefüge aber es gelingt ihnen nicht auszubrechen. Das liegt wohl daran, dass ein einzelnes Familienmitglied diese Muster aufdecken und sich gegen sie stellen müsste. Das ist sehr schwierig, da wir diese Menschen lieben und die Familie der grösste Bezugspunkt in unserem Leben darstellt. Wir fürchten uns davor, mit dem unterbrechen der Muster, die Menschen zu verletzen und uns aus dem Bezugsgefüge auszuschliessen.

Lebensmuster verfestigen sich automatisch

Stellen Sie sich vor, die Tochter hat im Laufe ihres Lebens gelernt, dass sie in der Familie die Rolle der Helferin übernimmt. Über Jahre ist es selbstverständlich, dass sie hilft und ihre eigenen Bedürfnisse hinter jene der Familie stellt. Sie selbst hat in dieser Rolle ihre Befriedigung gefunden und ihre Aufgabe mit Freude übernommen. Im Laufe der Zeit stellt sie jedoch fest, dass auch sie einmal an erster Stelle stehen möchte, in Urlaub möchte, ohne jeden Tag die Mutter anzurufen. Erst jetzt, wo sie dieses Muster hinterfragt, wird es zur Belastung. Die Mutter wird ihr nicht helfen das Muster zu unterbrechen, denn sie erkennt die Auswirkungen aus ihrem Blickwinkel nicht. Auch der Rest der Familie sieht nicht welche Tragweite dieses Muster hat, denn die Rollen sind seit Jahrzehnten immer so gewesen.

Eigene Bedürfnisse entdecken und danach handeln

Als Tochter dieses Muster zu verändern ist für sie selbst scheinbar eine kleine Aufgabe. Sie sagt ihrer Mutter, dass sie die nächsten beiden Wochen in Urlaub fährt und daher nicht anrufen wird. Als Unbeteiligte sehen wir hier kein Problem. Als Teil der Familie bricht eine Welt zusammen. An wen soll sich denn die Mutter in diesen beiden Wochen wenden? Soll nun der Sohn wirklich jeden Tag Zeit reservieren um seine Mutter anzurufen? Sollte sich die Mutter mit ihren Anliegen an den Mann wenden, der sich doch immer im Werkkeller beschäftigt?

Auch für die Tochter ist der Ausbruch aus ihrem Muster nicht leicht. Sobald sie die Forderung, nach einem Urlaub, gestellt hat, wird sie sich Sorgen um die Mutter machen. Sie kennt die Muster der Familie und die scheinbare Bedürftigkeit der Mutter. Ausserdem könnte sich auch zeigen, dass ihre Rolle der Helferin, wenn es zwei Wochen ohne sie funktioniert, nicht mehr denselben Stellenwert in der Familie einnimmt.

Grosse Not verändert Muster

Nun wird sich zeigen, wie gross die Not, das Bedürfnis, der Tochter ist, um das Muster zu verändern oder gar zu unterbrechen. Ist sie bereit die Familie vor diese Herausforderung zu stellen? Ist sie bereit die Rolle der Helferin neu zu gestaltet? Oder treibt sie ihre Angst vor den unbekannten Veränderungen dazu, weiterhin gegen ihre eigenen Bedürfnisse zu handeln?

In den meisten Fällen wird sich die Tochter gegen ihre eigenen Bedürfnisse stellen, denn solange wir nicht wirklich unter einer Situation leiden, bleiben wir bei unseren Mustern.

CoSaVie unterstützt dabei Bedürfnisse zu erkennen und Muster zu durchbrechen

Leider haben Muster die einmal entdeckt wurden nicht die Eigenschaft wieder im Hintergrund zu verschwinden. Die Tochter wird nun jedes Mal das Muster erkennen und wird im Wissen, dass sie gegen ihr Bedürfnis handelt, dem Muster nachgeben. Das führt dazu, dass sich die Stimmung in der Familie verändern wird. Die Tochter wird die Hilfsdienste nicht mehr gerne übernehmen, sondern sich mehr und mehr ausgenutzt fühlen. Auch die anderen Familienmitglieder werden eine Veränderung feststellen, können womöglich aber nicht sagen, was sich verändert hat. Damit die Tochter nun nicht in Frust und Trauer abrutscht braucht sie Unterstützung um nach Ihren Bedürfnissen zu handeln. Diese Unterstützung können wir von CoSaVie bieten.

Warum halten wir unsere Muster aufrecht?

Ich vergleiche unser Leben gerne mit einem Faden den wir fortwährend zu einem immer komplexeren Bild spinnen. Je nach Überzeugung starten wir bei der Geburt oder sogar bei den Vorfahren mit unserem Faden. Jeder Sinneseindruck, jedes Gefühl und jedes Ereignis, halten wir fest und verknüpfen wir mit allen anderen zu unserem ganz eigenen Lebensteppich.

Gehen wir nun davon aus, dass Sie als kleines Kind einen Faden gesponnen haben, der Sie heute behindert, können wir besser nachvollziehen wie schwierig es ist entgegen unserem gelernten Verhalten zu handeln. Um diese ganz früh gelernte Reaktion zu verändern braucht es viel Mühe und Training, denn der Ursprung der Handlung ist weit unten, am Start ihres Teppichs geknüpft worden. Jede Abzweigung die Ihr Lebensfaden im Laufe der Zeit genommen hat trägt zu Ihrer Persönlichkeit bei. Ein einmal eingearbeitetes Teppichmuster lässt sich nur dahingehend ändern, dass sie zukünftig anders weben. Jeder Eingriff kann das Teppichmuster zerstören, denn sie werden gewisse Fäden abschneiden und neue Verbindungen knüpfen müssen. Daher benötigt eine Veränderung viel Umsicht und Geduld. Der gewebte Teppich der unser Leben darstellt, ist absolut individuell und genauso individuell ist das Lösungsmuster für unser weiteres Leben.

Wie gehen Sie nun eine solche Veränderung an?

Wenn Sie ein Verhalten verändern wollen, ist der erste Schritt dazu, zu erkennen was Sie tun. Manchmal stellen wir erst am Ende fest, dass eine Reaktion falsch oder ungewollt war. Daher ist es wichtig, die Situation in der wir nächstes Mal anders reagieren möchten, genau zu kennen. Was löst Ihre Reaktion aus, was tun sie dann und was genau tut ihr Gegenüber.

Kommen wir zurück zur helfenden Tochter. Sie ruft ihre Mutter an, ihre Mutter ist dankbar und sagt ihr sie freue sich auf den Anruf von Morgen. Im Muster, nimmt die Tochter das Ende des Gesprächs als eine Art Versprechen zu sich (du rufts mich Morgen wieder an). Das Muster lässt sich also am Ende unterbrechen, wenn die Tochter zum Beispiel sagen würde, Morgen kann ich nicht, ich rufe Dich am Freitag wieder an.

Der Tochter kommt diese kleine Veränderung wohl gar nicht in den Sinn, weil sie gewohnt ist, der vermeintlichen Aufforderung der Mutter Folge zu leisten. Womöglich reagiert die Mutter aber gar nicht negativ auf die Verschiebung des Telefonats. Die Tochter hat es einfach nie zur Sprache gebracht und weiss daher auch nicht ob die Mutter wirklich Morgen meint oder einfach, ich freu mich auf Deinen nächsten Anruf.

Wir sehen also, dass es manchmal nur Kleinigkeiten sind, die zur Veränderung von Mustern führen und wir die Muster viel häufiger prüfen sollten als sie einfach als gegeben in unserem Alltag zu belassen. Wenn Sie nun Ihre eigenen Muster aufdecken, hinterfragen und verändern möchten kontaktieren Sie uns gerne. Wir sind Ihr Partner für Supervision, psychosoziale Beratung und Coaching im Aargau.

Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen gelingt ihren Lebensfaden neu zu knüpfen und ein Bild zu weben das Ihnen jeden Tag Freude bereitet.

sarah müller